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Umzug nach Weimar

Am 3. Dezember verließen wir das Griesbachsche Haus und zogen unter Mithilfe der Schwiegermama nach Weimar um. Lolo war zusammen mit Karl und der kleinen Karoline zu Charlotte von Stein gezogen, während ich mich mit Ernst in der neuen Wohnung des Perückenmachers Müller in der Windischengasse einrichtete. Dabei stand mir unser schwäbisches Hausmädchen hilfreich zur Seite.
 
Bei Frau von Stein konnte sich Lotte vollends erholen. Als die Chère Mère am 6. Dezember nach Rudolstadt zurückfuhr, war ich beruhigt, meine Lolo in der Obhut von Charlotte von Stein zu wissen. So hoffte ich, mit unserem Umzug auch die letzten acht schrecklichen Wochen in Jena zurückgelassen zu haben. Es sollte ein neues, heiteres Leben für uns beginnen!
 
Nun war ich alleine mit allen Arbeiten des Einzugs beschäftigt, ließ unsere Möbel aus Jena holen und beaufsichtigte die notwendigen Instandsetzungs- und Umbauarbeiten.
 
Jeden Abend, wenn alle Arbeiten verrichtet waren, schickte ich meiner guten Maus, die ich vermisste, einen lieben Gruß und berichtete ihr von Ernst, unserem lieben Söhnchen, wie er sich recht gut alleine beschäftigte und mich gar nicht störte.
 
Die Pole hatten sich verkehrt, denn Goethe hielt sich zurzeit in Jena auf und unser neues Quartier begann an Gemütlichkeit zu gewinnen, was nicht zuletzt Wilhelmine Schwenke, Karoline von Wolzogens langjähriger Hausgehilfin, zu verdanken war.
 
Bis zur nächsten Woche hoffte ich, alle mechanischen Arbeiten und uninteressanten Beschäftigungen erledigen zu können, und dass dann auch meine Lolo gesundheitlich gestärkt bei mir einziehen würde.
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Am 8. Dezember trafen wir uns mit Charlotte von Stein bei Karoline, und ich freute mich, in meiner Lolo wieder die alte erkennen zu können. Die furchtbaren zurückliegenden Wochen hatten unsere Familie noch enger aneinandergeschweißt. Ich wollte niemals vergessen, welchen großen Beistand uns die liebe Chère Mère geleistet hatte.
 
Das Wetter war sehr schön, doch ich verließ wie immer selten das Haus, nur Goethe hatte mich kurz besucht, und ich wartete mit Ungeduld auf den Tag, an dem ich meine Lotte wieder hatte. Ich ließ ihr Zimmer aufs Schönste richten, und hoffte, dass es ihr gefallen würde, obwohl noch die Vorhänge fehlten. Am 16. Dezember hatte ich sie endlich wieder, wohlbehalten und gestärkt, bei zunehmender Gesundheit. Die Schwiegermama hatte uns zu Weihnachten mit Geschenken überrascht: Eine Weste für mich, Spitzen und ein Halstuch für Lotte. Ein blaues Kissen für die kleine Karoline war dabei; Karl und Ernst sollten Tierfiguren erhalten, die aber noch nicht fertig waren.


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