schiller5

Depression und Arbeit

 

Der feuchte Herbst hatte sich in einen frostigen Winter verwandelt, der mit eisiger Hand das ganze Land gefangen hielt. An manchen Tagen war es so extrem kalt, dass es den Botenfrauen, die privat die Post beförderten, nicht möglich war, dies zu tun.
 
So blieb ich eine Zeit lang von der Welt abgeschnitten. Keine Nachricht drang zu mir, und meine Einsamkeit ließ mich in hypochondrische Gedanken verfallen. Die äußere Kälte machte mir zu schaffen und brachte mich auch innerlich zum Frieren. Eine finstere Laune hatte sich meiner bemächtigt und spiegelte sich in meiner Arbeit wider. Besonders in der Erzählung Spiel des Schicksals, versuchte ich mir nicht nur eigene bittere Erfahrungen von der Seele zu schreiben, sondern auch die Lebensgeschichte des württembergischen Oberst Rieger.
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Euripides. Marmorstatue im Vatikanischen Museum, Rom. Quelle: Wikimedia
 



Als ich von Rudolstadt zurückgekehrt war, musste ich wieder in mein Alleinsein zurückfinden. Das wollte mir dieses Mal nur schwer gelingen.
 
Es blieben mir die Freuden des Vergangenen in der Erinnerung und die Freuden der Zukunft in der Hoffnung und der Glaube an das Fortbestehen meines Freundschaftsbundes mit Karoline und Lotte, wie ich sie mittlerweile nennen durfte.
 
Trotz der räumlichen Entfernung, die nun zwischen uns lag, bedeutete mir diese Verbindung sehr viel, denn allein die Tatsache, dass an mich gedacht wurde, verdoppelte meine Lebensfreude und mein Selbstwertgefühl.
 
Die Übersetzung der Phönizierinnen von Euripides war abgeschlossen und die Karlos-Briefe waren geschrieben. Beides sollte im Januar des Jahres 1789 im „Teutschen Merkur“ erscheinen, wie dort bereits im Oktober 1788 meine Anekdote Herzog von Alba bey einem Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt erschienen war.
 
 
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