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Die Huldigung der Künste


Die Schwäche meines Körpers wollte nicht mehr weichen, und ich konnte meine Arbeit nur beschwerlich wieder aufnehmen. Es wäre sehr traurig für meine Familie gewesen, wenn ich Hals über Kopf hätte davongehen müssen, auch war trotz der jahrelangen Schmerzen immer noch eine große Lebensfreude in mir. Noch vor unserer Reise nach Berlin hatte ich damit begonnen, das Drama der „Bluthochzeit zu Moskau“, den Demetrius zu schreiben, wozu mich besonders die Verknüpfungen des Weimarer Hofes mit dem russischen Herrscherhaus angeregt hatten.
 Maria_Pavlovna_of_Russia_by_V.Borovikovskiy_(1800s,_Pavlovsk)

Maria Pawlowna, Porträt von Wladimir Lukitsch Borowikowski.
Quelle: Wikipedia

 



Mein Schwager, Wilhelm von Wolzogen, den wir sehnlichst aus Russland zurück erwarteten und der dort versuchte, meine Werke den russischen Bühnen anzubieten, hatte der Zarin ein Exemplar meines Don Carlos als Geschenk überreicht und erhielt von ihr zur Weitergabe an mich einen Diamantring, als dankende Anerkennung.
 
Am 3. August 1804 hatte sich der Erbprinz Karl Friedrich in Sankt Petersburg mit der Großfürstin Maria Pawlowna vermählt, und die Stadt Weimar erwartete am 9. November 1804 den feierlichen Einzug des Brautpaares, die durch eine prunkvoll geschmückte Ehrenpforte, begleitet von Schützengesellschaften und den herzoglichen Jägern durch die Stadt zogen und allen Zuschauern ein einzigartiges Schauspiel boten. Als ich der Großfürstin am 11. November erstmals bei Hofe begegnete, war ich beeindruckt von ihrer Bildung und ihrer Liebenswürdigkeit und sah in ihr eine wertvolle Bereicherung Weimars.
 
Zwanzig Tage lang wurde der Hof und die Stadt in ein feierliches Spektakel versetzt, zu dem alle Welt auf den Beinen war. Goethe hatte zunächst für das Theater keine besondere Inszenierung für diesen außergewöhnlichen Anlass geplant, geriet aber zusehends in Panik, weil er der Einzige zu sein glaubte, der nichts in dieser Hinsicht vorweisen konnte. So sehr er jedoch seinen Erfindungsgeist anstrengte, ihm fiel nichts Brauchbares ein. Deshalb bat er mich um ein entsprechendes höfisches Huldigungsspiel, was ich anfangs ablehnte, denn ich wollte kein Gelegenheitsdichter sein. Außerdem fiel mir das Schreiben immer noch schwer, weil mir der Kopf sehr angegriffen war. Doch ich musste ihm aus seiner Not heraushelfen und arbeitete in vier Tagen ein kleines Begrüßungsspiel aus, das schnell einstudiert und am 12. November 1804 mit großem Erfolg vorgestellt wurde.

Die Huldigung der Künste sollte später meiner Dramensammlung vorangestellt werden, die als Prachtband bei Cotta erscheinen sollte. 


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